Schüler der Gesamtschule der Stadt Mechernich gestalten Gedenkfeier in Köln mit und trauern und erinnern an die ermordeten Kinder aus Mechernich und Kommern in der NS-Zeit.

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Mechernich/Köln Es ist mittlerweile zu einer kleinen Tradition geworden. Schon zum dritten Male nahm die Klasse 8b der Gesamtschule der Stadt Mechernich an der Gedenkstunde für deportierte und ermordete Kinder an der Kindergedenkstunde Löwenbrunnen am „Lern- und Gedenkort Jawne“ in Köln teil. Die Jawne war das einzige jüdische Gymnasium im Rheinland. Der langjährige und letzte Leiter der Jawne, Studiendirektor Dr. Erich Klibansky, erkannte die nationalsozialistische Gefahr früh und reagierte mit Verstärkung des Englisch- und Neuhebräischunterrichts, um seine Schüler auf ein Leben außerhalb Deutschlands vorzubereiten. Der Platz an dem Gedenkort, welcher gleichzeitig auch der ehemalige Schulhof der Jawne war, ist inzwischen auch nach ihm benannt worden. Dort steht auch eben jener Brunnen, auf dem Hunderte jüdischer Kindernamen eingraviert sind, die im Holocaust umgekommen sind. Acht dieser Kinder kamen aus Mechernich und Kommern.
Die Schülerinnen und Schüler hatten sich vorher im Religionsunterricht mit ihrer Lehrerin Nelly Anton noch einmal mit den Schicksalen der acht jüdischen Kinder aus Mechernich und Kommern auseinandergesetzt. Sie überlegten sich, wie man in diesem Jahr der ermordeten Kinder gedenken wollte. Frau Baum, die dieses Projekt schon seit Jahren begleitet stellte der Klasse ein Gedicht von Abraham Koplowicz vor. Er wurde im Jahr 1930 geboren, und träumte davon einmal die ganze Welt im Flug zu bereisen. Diesen Traum fasste er in folgende Worte:

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Ein Traum
Wenn ich groß bin, werde ich diese schöne Welt sehen
In einem riesigen Vogel ganz aus Eisen sitzend
Werde ich die Höhen des Universums durchqueren
Über dem Wasser: Fluss, Meer und Ozean.
Die Wolke wird mir Schwester sein und der Wind Bruder
Ich werde die Sphinxen sehen und die Pyramiden
Auf der so alten Erde der Göttin Isis
Ich werde die Unermesslichkeit des Niagara durchqueren
Und mich in der Sonne der Sahara baden.
Quer über die Berge des Tibet, die sich in den Wolken verlieren
Über das schöne Geheimnis der Lama-Zauberer…
Dann werde ich die anstrengende Hitze verlassen
Für die Gletscher des Nordens
Ich werde über den Inseln der Kängurus vorbeikommen,
Über den Ruinen von Pompeji.
Über der Heiligen Erde des Alten Testaments
Über das heilige Land meiner Vorväter,
Immer gleichermaßen verzaubert von der Schönheit der Welt
Die Wolke wird mir Schwester sein und der Wind Bruder.

Gedenkfeier koeln 2017 01Er konnte diesen Traum jedoch nicht verwirklichen, Abraham wurde mit 14 Jahren in Auschwitz ermordet.
Dieses Gedicht inspirierte zu der Idee, symbolisch und stellvertretend für die Träume, die verlorene Freiheit und das viel zu früh verlorene Leben der Kinder, einen Luftballon aufsteigen zu lassen. So wurde für jedes der acht jüdischen Kinder aus Mechernich und Kommern ein Luftballon mit einem Buchstaben vorbereitet. Alle Luftballons zusammen ergeben das Wort „Freiheit“.
Zu Beginn der Gedenkveranstaltung erinnerte Bürgermeister Hans Werner Bartsch noch einmal daran, wie wichtig die Freiheit für die Gesellschaft ist. Diese ist im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in dieser Zeit so bedroht wie schon lange nicht mehr. Daher ist es wichtig Zeichen für die Freiheit der Einzelnen zu setzen, denn auch damals standen die Deportationen nicht am Anfang der Ereignisse, sondern waren eine Folge von den damaligen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Nach zwei weiteren Grußworten war nun der Beitrag der Gesamtschule Mechernich an der Reihe. Jeweils zwei Schülerinnen und Schüler stellten nun „ihr Kind“ vor, erzählten, was mit ihm während des Holocausts passierte und widmeten ihm einen Luftballon, welcher durch sein Emporsteigen die Freiheit symbolisieren sollte, welche das Kind selbst so früh verlor.


So erinnerten Giulia und Kim an Edgar Cohn:


Lieber Edgar Cohn: Wir wissen nicht, wann man dir die Freiheit genommen hat, wann du begriffen hast, dass du niemals nach Hause kommen würdest um deine Freunde wiederzusehen. Wir wissen nur, dass auch du in Lodz ermordet wurdest. Für dich haben wir einen Ballon gestaltet, dem wir symbolisch die Freiheit schenken wollen, die du nicht erlebt hast.
Wir trauern um Edgar Cohn. Er wurde nur 12 Jahre alt.

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So wurde an jedes der acht Kinder aus Mechernich und Kommern erinnert, anschließend wurden an die Anwesenden der Gedenkfeier noch weitere schwarze Luftballons verteilt, um auch der vielen anderen Opfer der Shoa symbolisch zu gedenken.

Abschließend trugen Karina und Alina das Gedicht „Der Traum“ von Abraham Koplowicz vor.
Nach den Schülerbeiträgen der Klasse 8b wurde zunächst Psalm 79 auf hebräisch von einer ehemaligen Schülerin der Jawne vorgetragen und später auch die deutsche Übersetzung. Anschließend trugen auch noch Schulen aus Leverkusen und Köln zu der Gedenkfeier bei.

 

 


 

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